Tanka-Wettbewerb (Teilnehmer-Wertung) - Einunddreißig - Das Forum für Tanka

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TANKA-WETTBEWERB
Redaktion: Tony Böhle & Birgit Heid & Valeria Barouch

Für den Tanka-Wettbewerb zur Feier der 50. Ausgabe des Magazins Einunddreißig hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit bis zu zwei Tanka einzusenden. Für Wettbewerbsbeiträge wurden anschließend in einer parallelen Einsender- und Jury-Wertung Punkte vergeben.
Bei der Teilnehmer-Wertung erhielten alle Einsender die kompletten Wettbewerbsbeiträge in anonymisierter Form und konnten insgesamt einmal 1, 2 und 3 Punkte vergeben. Für die eigenen Beiträge durften keine Punkte vergeben werden. Wurde an der Wertung nicht teilgenommen, erhielten die einen Beiträge einen Abzug von 3 Punkten, um sich gegenüber den anderen Teilnehmern keinen Vorteil verschaffen zu können. Aufgrund eines fehlenden Wertungseingangs musste diese Regel einmal angewendet werden.


ERGEBNISSE DER TEILNEHMER-WERTUNG

1. Platz (13 Punkte)

der Straßenhund
vor etlichen Jahren in
mein Leben gelassen
ob wir uns beide noch nach
der alten Freiheit sehnen
– Eva Limbach


2. Platz (9 Punkte)

Besuch
in der alten Heimat
wehmütig
lasse ich sie quietschen
die Schwengelpumpe
– Friedrich Winzer


3. Platz (8 Punkte)

der See ruht still
die Zeit verliert ihr Tempo
nur die Wellen
erinnern an die endlose
Bewegung des Lebens
– Carl Achim Königsberg

eingewickelt
in deine stille Umarmung
nehme ich Abschied
während der Wind uns
die Worte vom Mund reißt
– Christof Blumentrath

heute schaut er
der gestern noch ein Knirps  war
lächelnd auf mich herab
und sagt: lass mal Oma
ich mach das
– Brigitte Ten Brink


4. Platz (7 Punkte)

auch hinter Wolken
leuchten Mond und Sterne
ganz gewiss
kann ich nicht ergründen
deine wahren Gedanken
– Silvia Kempen


5. Platz (6 Punkte)

Ich reiste mit dir
zwanzig mal um die Sonne
und niemals zurück.
An jedem einzelnen Tag
drehten wir uns nur um uns.
– Wolfgang Stock

nun da ich allein
mit mir selbst bin lausche ich
auf das Rauschen
der Stille in den Räumen
unseres Hauses
– Brigitte Ten Brink


6. Platz (5 Punkte)

Der Gewittersturm
trieb mich ins Cafè
nun sitze ich am Fenster
auf meiner Zunge entlädt sich
die Süße sizilianischer Dolci
– Cornelia Rossberg

Hand in Hand
zwischen meinem Mann
und seinem Avatar
ich brenne
von beiden Seiten
– Gabriele Hartmann

Hitzeflimmern
über dem staubigen Feldweg
verblasst der Heuduft
nur die Schmetterlinge
sind noch wasserblau
– Benjamin Bläsi

irgendwo
ein Zimmer mit Aussicht
einen Monat lang
lebten wir nur
vom Azur
– Stefanie Bucifal

Nichts kann mich
vor meinem Spiegelbild schützen:
der abgerissene Rahmen,
der verbogene Nagel
erwidern meinen Blick.
– Kati Mohr

Schiefes Wegkreuz.
Nicht zu dicht heran,
etwas zur Seite …
bis es ihn berührt,
den fernen Kirchturm.
– Dyrk-Olaf Schreiber

wie er mich stört
der kleine Biss
dieser Ameise
ein weiterer Schmerz
den ich nicht loswerde
– Deborah Karl-Brandt


7. Platz (4 Punkte)

Ein Spatz
auf meiner Schulter, so klein
so ohne Gewicht
Ich hab ihn dennoch gern
Er kam zu mir
– Angelica Seithe

Küstenwind –
wild bläst er mir ins Gesicht
zerzaust Bart und Haar
benetzt meine Lippen
mit feinen Salzkristallen
– Carl Achim Königsberg

so leichtfüßig
das Hüpfspiel der Mädchen
für einen Moment
um Jahre jünger
hüpfe ich mit
– Silvia Kempen

Später Spaziergang.
Blätter, gefallen, knistern
im Neumondnebel.
    Auf dem Stubentisch wartet
    das aufgeschlagene Buch.
– Siegfried Schröder

zu viel gelacht
und zu wenig geweint
als könnten wir dem
unausweichlichen Winter
die Stirn bieten
– Eva Limbach


8. Platz (3 Punkte)

die Art
wie er Gedichte schreibt
Li Bai
immer in dieser Stimmung
immer so betrunken
– Deborah Karl-Brandt

Im blauen Himmelsquadrat
kreisen die Schwalben
Hirondelles flüstere ich
erinnere mich an Sommertage
in einem anderen Land
– Cornelia Rossberg

so dunkel vom Regen
dein blondes Haar
von deinem Scheitel
steigt der Duft
feuchter Wiesen
– Stefanie Bucifal

übervoll
mit Erinnerungen
mein leeres Haus
der alte Mann und das Kind
werfen nur einen Schatten
– Christof Blumentrath

zum Achtzehnten
ein selbstlenkendes Auto
und Vollkasko
der Teufel faltet
die Hände zum Gebet
– Gabriele Hartmann


9. Platz (2 Punkte)

auf der leiter
im sonnenwarmen
kirschbaum stehen
nicht wissen wohin
zuerst greifen
– Marie-Luise Schulze Frenking

knospender Garten –
die Mühen mit dem Manuskript
und hier
von Zauberhand vollzieht sich
alles wie von selbst
– Angelica Seithe


10. Platz (1 Punkt)

das bleibt
in der Familie,
sagen sie
und verlangen,
dass ich schweige
– Pitt Büerken

Hinter dem Zaun
von der schmalen Brücke spuckt
ein Junge Ringe in den Spiegel
eines kleinen Teiches
Weihnachtsglocken läuten
– Reiner Bonack

Holunderblüten.
Die kleine Zeit am Strauch. Vom
Regenwind verweht.
    Über die Friedhofshecke
    schneien sie auf dich nieder.
– Siegfried Schröder

Rotkehlchen, wie kannst du
so fröhlich singen?
In dieser Zeit.
Welch Glück,
dass du's tust.
– Heike Stehr

Störche klappern laut,
wenn ihnen ein Ei gelingt.
Public relations.
Auch in ihrem Gewerbe
gehört Klappern zum Handwerk.
– Wolfgang Stock


10. Platz

ab Gartenzaun und  -tor
die privaten
die Weltenkriege
sicher und geschnürt
alten Neuauflagen zu
– Dyrk-Olaf Schreiber

Affenhitze und
der Briefträger ein Smombie
er hört einfach nichts
und verpasst gerade
einen Magnum
– Willemina Preiß

am Morgen
verlässt er das Haus,
um Brotchen
vom Bäcker zu holen,
und kommt nicht mehr heim
– Pitt Büerken

Die alte Nachbarin
deutet den Blick, sagt:
mein Schal, bunt,
aus der Zeit,
als ich noch Schmetterling war
– Reiner Bonack

die Ameisen
haben auf meinem Teller
nichts verloren
sie tun aber so
als ob
– Marie-Luise Schulze Frenking

Die verrückte Schönheit
des blühenden Buschs an der Mauer
spiegelt im Fluss.
Aus dem Krieg die Nachrichten:
spärlich.
– Volker Friebel

fragende Gesichter
in der Grundschulklasse
der Religionslehrer
erzählt vom Turm von Babel
draußen Baustellenlärm
– Wolfgang Rödig

Gewitter
der Kuckuck verstummt im Schilf
ihr Kanu dreht sich
der Wasserrastplatz noch weit
das Handy zittert
– Helga Schulz Blank

Ins Gras gesetzt,
zwischen Weiden, gegenüber
dem Dichterturm.
Die Wehmut im Lied des Vogels
höre nur ich.
– Volker Friebel

Kapuzinerkresse
waren Mutters Blumen
nun selber gesät –
vor ihrem Bild ein Sträußchen
aus eigenem Garten
– Willemina Preiß

märchenhafte Nacht
Feuerzeugstimmung
sogar das arme Mädchen
mit den Streichhölzern
zündet sich noch eine an
– Wolfgang Rödig

Morgenrunde
mein Hund vertreibt die Amsel
trinkt aus der Pfütze
ich bade zwischen Buchen
werfe Ballast ab
– Helga Schulz Blank

Sonnenflirren
liegt über den Felsen
im Alpenstaub;
noch duftet es kühl
wo einst Gletscher wuchsen
– Benjamin Bläsi

Von Vater und Mutter
bis hin zu Tochter und Sohn,
diese Kratzspuren
der Wut
und Liebe.
– Kati Mohr

Wiege der Menschheit
vergessene Hochkultur
Oase in der Wüste
in der Tiefe der Dünen
vergrabenes Geheimnis
– Dario Schrittweise

Wiese der Störche
ein lauer Sommerabend
Lauschen der Stille
im Teich plätschert das Wasser
Klappern der Bewohner
– Dario Schrittweise

zeitlos
eingeschlossen
im Bernstein
die Eintagsfliege
bis die Erde verglüht
– Friedrich Winzer

Herausgeber:
Tony Böhle
Bernsdorfer Str. 76
09126 Chemnitz
Deutschland
Redaktion:
Tony Böhle
Valeria Barouch
Birgit Heid
Mail: einsendung@einunddreissig.net
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