Ausgabe Februar 2017 - Einunddreißig

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Ausgabe Nr. 16 Februar 2017

Editorial

Aufsätze/Essays

Tanka-Auswahl Februar 2017

Tanka-Bilder/Foto-Tanka

Tony Böhle

Editorial

Der 8. November 2016 wird nicht nur den Amerikanern als einschneidender Tag in Erinnerung bleiben. Den einen vermutlich als schwärzester Tag in der jüngeren Geschichte des Landes, den anderen als Tag des Triumphes über das politische Establishment. Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat auch in Europa zunächst zu ungläubigem Kopfschütteln auf der einen Seite und dem Frohlocken der Populisten andererseits geführt.
Entgegen der Hoffnung vieler zeigen schon die ersten Tage im Amt, dass der frisch gewählte Präsident sich mit Eifer daran macht, sein Wahlkampfversprechen tatsächlich in die Realität umzusetzen. Tweets und Dekrete aus dem Weißen Haus geben die neue Marschrichtung vor, geradewegs Richtung Isolation: eine protektionistische Wirtschaftspolitik, das Einreiseverbot für Flüchtlinge und Muslime, die Infragestellung des transatlantischen Bündnisses und der Bau einer Grenzmauer zu Mexiko.
Aus dem Wahlkampfslogan "Make America great again", wird in der Realität "Make America white again". Doch wie soll dies gelingen? Ist Abschottung doch am Ende kein Zeichen der eigenen Stärke, sondern der Angst vor der eigenen Schwäche.
Das zeigt schon der Blick in die Geschichte. China versuchte sich durch eine große Mauer von der Welt abzuschotten, die dem Reich der Mitte nach eigener Sicht nichts zu bieten hatte. Auch das Japan der Tokugawa-Shogune versuchte sich vorm Westen und seinen vermeintlich schädlichen Einflüssen abzuschotten. Beides führte im 19. Jahrhundert zu einem fatalen Ende. Die Welt – besonders der Westen – hatte sich weiterentwickelt, neue Ideen, Denkweisen und Gesellschaftsmodelle etabliert und die abgeschotteten Gesellschaften dem nicht mehr viel entgegen zu setzen.
Den Bogen zum Tanka zu schließen scheint hier fast unmöglich, doch auch in der Literatur brach die westliche Moderne über Japan herein. Die etablierten literarischen Formen und Gestaltungsmuster galten als erstarrt und das Tanka – oder Waka, wie es in seiner ursprünglichen, höfischen Form genannt wurde – stand vor dem Untergang. Erst die Auseinandersetzung mit der fremden Literatur und die daraus folgende Inspiration haben dem neuen Tanka in Japan den Weg bereitet. Genauso wie das Tanka heute wiederum unsere Literatur bereichert. Ich lade alle Leser herzlich dazu ein, diese kleinen Kunstwerke aus japanischer Tradition und westlicher Lebenswelt, in der neuesten Ausgabe von Einunddreißig zu erkunden.

Horst Ludwig
Von und zu Tanka

Wer bei uns im deutschen Sprachraum von den kurzen japanischen Gedichtformen so beeindruckt ist, daß er selbst derartiges auf deutsch zu schreiben versucht, beginnt fast immer mit dem Haiku, nicht mit dem Tanka. Er weiß von den 17 Silben, also der für uns außerordentlichen Kürze derartiger Texte, und der Aufteilung in 5-, 7- und wieder 5-Silbensegmente, – welche er dann, wie aus unserer Lyrik gewohnt, Verse nennt, die aber auch recht kurz sind, – und vielleicht spürt er auch, daß der Inhalt mit etwas aus der Natur zu tun haben soll und wirklich nichts mit unserer Bekenntnislyrik gemein haben sollte. Erst nach längerer ernster Arbeit an derartigem Haiku sieht er sich wohl auch mal das Tanka intensiver an, weil das Haiku gerade wegen seiner Kürze und Inhaltsbeschränkung ja doch nicht so leicht zu schaffen ist, als es zunächst scheint, und man ungern was von dem eigenen Erleben im sprachlichen Ausdruck weglassen möchte, welches einen doch erstens dazu geführt hatte, derartiges fremdes Gedicht überhaupt zu versuchen.
Aber bemerkenswert für den Theoretiker bei sowas ist, daß die ursprüngliche Entwicklung dieser Gedichtformen in Japan genau umgekehrt verlaufen ist. Da gab's zuerst das Tanka mit seiner ihm eigenen Kürze von 31 japanischen Silben, aufgeteilt in Segmente zu 5, 7, 5, 7, 7 Silben, von denen ein bestimmtes, das mit der Aufteilung 5-7-5 / 7-7 Silben dann als derart ansprechend empfunden wurde (vgl. den Aufbau unsres Sonetts!), daß es im höfischen Literaturleben sogar von zwei geistesverwandten Autoren als Gesellschaftsspiel geschrieben wurde, als Tan-Ren-Ga (Kurzkettengedicht), dessen Kettenteile manchen besonders gut gelangen, so daß nun wiederum dessen Aufbau und Zusammensetzung als vorbildlich empfunden wurden und also Nachahmung fanden. Dieses höfische Gesellschaftsspiel wurde auch auf mehr als zwei Teilnehmer ausgedehnt und fand als gesunkenes Kulturgut auch im bürgerlichen Leben Anklang, – wo dieses Kulturgut allerdings des öfteren bei Sakepartys derartig absank (wie belegt von dem damals schon notorischen "Streßnachlassenden / Sonnabendspätnachmittag- / renkustammtischel – // Natur- und Welterlebnis / in feierlicher Sprache", wo jedoch der Untertitel dem Treffen merklich oft aber auch nicht die geringste Spur eindrückte), daß sich einige erhabenere Geister sagten, so kann das doch nicht weitergeh'n, sprachlich ist auch bei solchem Unterhaltungsspiel sicher weit Besseres möglich, kulturell Wertvolles eben; und Bashô besonders, aber auch andere merkten, daß der erste Vers, das Hokku, mit seiner Art da schon eine ausschlaggebende Richtung für das ganze gesellschaftliche Kettengedichtunternehmen des Feierabends bestimmte und diesem Vers deshalb also besondere Bedeutung zukam, er also besonders sorgfältig auszuarbeiten war. Leute mit gut vorbereiteten Hokku wurden dann darum natürlich geschätzt und gern eingeladen (und sie erhielten auch Trinkgelder, und oft waren's auch die nötigen Brotgelder), und ihre Texte wurden schließlich natürlich auch ohne weitere Kettenglieder kritisch betrachtet, analysiert und als besonders gekonnt geachtet.
Derart war der Weg vom relativ freien Tanka zum Haiku, wie letzteres jetzt Teil des japanischen Kulturerbes ist und wir's in Mitteleuropa kennen- und lieben gelernt haben. Aber während wir derartiges an Ausdrucksmöglichkeiten reiches Kurzgedicht in unserer eigenen Tradition noch nicht hatten und es für uns etwas Neues war (und der Behebung dieses Mangels schrieb Krusche den Erfolg des Haiku bei uns jetzt zu, in einer Vorlesung in München, die ich zufällig mal besuchte), – ein sogar ausgezeichnetes Tanka hatten wir bei uns jedoch schon länger.  Zum Beispiel wäre "Abendstille überall, / Nur am Bach die Nachtigall / Singt ihre Weise / Klagend und leise / Durch das Tal" in Stimmung und Aufbau ein beachtliches deutsches Tanka nach einem Gedicht des dänischen Bischofs Otto Laub, das Fritz Jöde ins Deutsche übertrug und bei uns in dieser Form bekannt machte.* Diese Übertragung hat nur 27 Silben, entspricht mit seinen fünf Segmenten aber dem Aufbau eines Tanka. Und selbst deren Sequenz ist in unserer Hinsicht interessant: Wenn wir die Segmente d/e weglassen, hätten wir dem Aufbau nach ein zwar freies, aber durchaus akzeptables Hokku für ein Kettengedicht: "Abendstille überall. / Nur am Bach die Nachtigall / singt ihre Weise", ein Haiku also; und das könnte ausgezeichnet weitergeführt und als Tan-Renga abgeschlossen werden mit dem Zusatz "klagend und leise / durch das Tal", und wir sind bei einem Tanka bester Tradition.
Ganz so neu wie das Haiku ist das Tanka bei uns also doch nicht. Nur hat das damals wohl keiner so recht gewußt, auch Fritz Jöde wohl nicht.

*Hardenach Otto Conrad Laub, *6. August 1805 in Frørup auf Fyn – +27. Mai 1882 in Kopenhagen): Når i bøgenes duftende sal / alting tier og natten er sval, / slår end en lille / sanger sin trille / højt i hal: / Syng kun ene, du nattergal. – Dt. von Fritz Jöde in Der Musikant, 2. Heft, 1934 A37-2.

Tanka-Auswahl Februar 2017

Aus den Einsendungen, die zwischen dem 1. November 2016 und dem 31. Dezember 2016 eingereicht wurden, habe ich für die Februar-Ausgabe von Einunddreißig eine Auswahl von 28 Tanka getroffen und zwei meiner eigenen Texte beigestellt. Jeder Teilnehmer konnte bis zu zehn Tanka einreichen. Die ausgewählten Texte stehen nachfolgend alphabetisch nach den Autorennamen aufgelistet. Ein Tanka, das mich besonders anspricht habe ich hervorgehoben und kommentiert.

Tony Böhle

Ein Tanka, das mich besonders anspricht

So manches
vererben uns die Eltern
aus ihren Schätzen
pflegen auch wir irgendwann
das Wort "früher"
                 – Valeria Barouch

"Früher war mehr Lametta!" Nicht nur Loriot-Freunden dürfte dieser Ausspruch von Opa Hoppenstedt bekannt sein. Erst kürzlich habe ich bei einem Theaterabend die Darbietung einiger Loriot-Sketche  oder Dramen, wie sie ihr Schöpfer bezeichnete  gesehen, bei denen Weihnachten bei Familie Hoppenstedt selbstverständlich nicht fehlen dürfte.
Doch war früher wirklich mehr Lametta und war der Schnee im Winter wirklich tiefer? Dass es heute keinen richtigen Winter mehr gäbe, mag angesichts der globalen Erwärmung nicht ganz von der Hand zu weisen sein. Vielleicht war früher aber der Schnee nur deshalb tiefer, weil man selbst kleiner war. Auch wenn es in der Jugend als unmöglich erscheint, ist doch keiner von uns vor dem Älterwerden und dem verklärenden Blick zurück gefeit.
Dieses Phänomen thematisiert Valeria Barouchs Tanka in hervorragender Weise. Strukturell fungiert Segment c als Scharnier zwischen dem Ober- und Unterstollen. So ergibt sich beim Lesen der oberen Segmente (So manches / vererben uns die Eltern / aus ihren Schätzen) zunächst der Blick auf das Erbe der Eltern. Dieser mutet zunächst materiell an. Besonders wichtig ist dabei das Wort "Schätze". In seiner Bedeutung ist ein Schatz etwas von großem Wert, das man hütet und nicht teilen möchte. Vielleicht eine Immobilie, Schmuckstücke oder Geld  Schätze eben, aus einem hinterlassenen Erbe.
Jedoch erschließt sich der ganze Gehalt des Wortes erst im Zusammenspiel mit den unteren Segmenten (aus ihren Schätzen / pflegen auch wir irgendwann / das Wort "früher"). Das Erbe, das die Eltern in diesem Zusammenhang (genetisch oder psychologisch) weiterreichen, ist immaterieller Natur. Es ist eben die oben genannte Eigenheit, mit zunehmendem Alter vergangene Dinge mit einer gewissen, wohlwollenden Verzerrung zu betrachten.
Valeria Barouchs Blick richtet sich nicht zuletzt auch auf das eigene Leben. Die Kinder, die oft augenrollend das Wort "früher" der Eltern hören mussten, benutzen es mit zunehmendem Alter selbst! Dass es sich dabei um ein allgemeines Phänomen handelt, wird durch das Pronomen "wir" unterstrichen und verleiht dem Tanka auch eine humoristische Note. So deutet das Verb "pflegen" an, dass mit dem Gebrauch des Wortes "früher" einer fast liebgewonnenen Gewohnheit nachgegangen wird.

Tony Böhle (Editor)

Die Tanka-Auswahl

Geplapper im Kopf,
Schuldgefühle im Herzen
schlaflose Nächte,
ein quälendes Gewissen
– ein Geständnis ist fällig –

                 – Ingrid Baumgart-Fütterer

Das Leben pur im
Pausenhof einer Schule
von fern betrachtet.
Die alten Wunden schmerzen,
als wär‘ es heut gewesen…

                 – Conrad Miesen

So manches
vererben uns die Eltern
aus ihren Schätzen
pflegen auch wir irgendwann
das Wort "früher“

                 – Valeria Barouch

umherschweifend
wenn der Himmel noch dunkel
und die Sterne
um die Wette leuchten
denke ich an das Leben

                 – Silvia Kempen

Immer öfter
sucht meine Kamera nach
Himmelskörpern
mein Traum ist wohl gestorben
diese Welt zu erkunden

                 – Valeria Barouch

Heiliger Tag
ausgerufen wurde heut
die Harmonie
auch wenn es im Backofen
brodelt und brutzelt

                 – Silvia Kempen

Märchenstund
auf der Leukämiestation
ein Kind träumt
im Wunderland
Königin zu sein

                 – Christa Beau

Vor unsern Augen,
inzwischen an die Dunkelheit
gewöhnt, erhebt sich,
leicht und in Weiß, die Zeit von
mehr als zweitausend Jahren

                 – Masami Ono-Feller

die Liebenden vereint
trotz aller Widrigkeiten…
ist das nicht der Punkt
an dem die Geschichte
erst wirklich beginnt?

                 – Tony Böhle

Ich sähe gerne
dass das, was geschehen,
lang, lang vorbei wär.
Es sind aber doch
die Bilder unsrer Zukunft!

                 – Masami Ono-Feller

vom Regen
überrascht entfalte ich
den Schirm…
doch zückst du den deinen –
Kälte dieses Abends

                 – Tony Böhle

Graue Gesichter,
voneinander abgewandt,
im Wartezimmer.
Das ansteckende Schweigen
der exotischen Fische.

                 – Wolfgang Rödig

Die Teiche vorm Dorf
Ringe im Regen
Atemkreise der Fische
 
Unter den Bäumen, gealtert,
bin ich immer noch klein

                 – Reiner Bonack

Mutter hatte Recht.
Es läuft einem nichts davon,
wenn man warten kann.
Einst verpaßter Kinohit
auf dem Großbildfernseher.

                 – Wolfgang Rödig

Mond… als läge dort
ein Ei
inmitten
brütender Sterne
im blauen Nest der Nacht

                 – Frank Dietrich

Biss in den Apfel
krachend köstlich und süß
Fruchtbar allein
sein bitterer Kern
bringt Neues hervor

                 – Angelica Seithe

Wel|len|bre|cher
das° Meer schäumt °
vor Wut  °
   °                    °
aber warum fällt es mir
so schwer zu streiten?

                 – Frank Dietrich

Brennnesseln
hoch aufgeschossen im Herbst
die Blütenstände
schwarz-grün, hängend und
hässlich – wie manches, was hängt

                 – Angelica Seithe

Schlittschuhlaufen
statt einer
seht-her-wie-toll-ich-bin 8
ein
hoffentlich-hat-das-keiner-gesehen &

                 – Frank Dietrich

Mit dem letzten Blatt
das falbe zu Boden fällt
fühl ich die Nacktheit
im kahlen Geäst –
und kleide mich an

                 – Angelica Seithe

mit einem Schuh im Schlamm
steckengeblieben
stehe ich
auf einem Bein
und werde ein Flamingo

                 – Frank Dietrich

die Zeit
unterwegs in die Nacht
stehen geblieben
auf freier Strecke 
purpurn leuchtet der Himmel

                 – Angelica Seithe

wir reden
und reden während die Kälte
in den Garten tritt
wird es Winter
unter unsern Worten

                 – Ilse Jacobson

Eisbewehrt
der dunkle Waldbrunnen
tropft und tropft
langsam freunde ich mich an
mit dem Abschiednehmen

                 – Helga Stania

zeternde Krähen
was noch zu tun wäre
weiß ich schon lange
doch niemand lehrte mich
wie's ist zu schweigen

                 – Eva Limbach

das haus der eltern
am waldrand blühen disteln
in den fichten und tannen
das flüstern der ahnen
ich ahne was wird

                 – Dietmar Tauchner

Regen
fällt in meinen Tag
gefriert
auch ich bin eine
Fremde geblieben

                 – Eva Limbach

licht geht auf
am letzten grat einer felswand
eine sonnenblume erblüht
& neigt sich tief in den warmkühlen
schatten der zeit

                 – Dietmar Tauchner

Fast fünfzig Gäste
im schwarzen Rock! Sie krächzen
laut um die Wette…
Um welches Thema geht es
beim Krähen-Symposium?

                 – Conrad Miesen

Manchmal denke ich
wir Alten
sind schon lange tot
über uns wird viel geredet
mit uns eher selten

                 – Erika Uhlmann

Beate Conrad
Im Studio


  Mitleiderregend
  zerfurcht der Meißel den Stein
  zu einem Bildnis
  ein Herr herausgetreten
  aus dem Kreis des Menschlichen

Welche Möglichkeiten besitzen nichtgegenständliche Formen, wenn die etwas aussagen wollten?
Sie meinen absolute Formen?
Ja, die.  So wie es sie in allen Künsten gibt.
Solche abstrakten oder absoluten Formen haben praktisch per Definition nichts anderes als sich selbst zum Gegenstand.
Könnten die nicht auch einen verbindlichen Bezug zu anderen Menschen herstellen?
Sie meinen, wie wäre über solche Formen eine überpersönliche Aussage zu erreichen, die trotzdem alle berührt?
Genau.  Eine Aussageform, die über das Individuelle hinausgreift, aber aus innerer Notwendigkeit authentisch wäre und so im Raum sichtbar gemacht werden könnte. 
Mit den letzten Worten steht B auf. B-Strich erhebt sich ebenfalls und streckt B seine Hand entgegen. Doch B geht. B-Strich steht versteinert mit ausgestreckter Hand.

Wolfgang Stock
Mittelmeer-Route


Ich sitze am Strand
mit dem Arsch in Europa
und vor mir das Meer,
dessen Wellen bleichen Schaum
an unser Ufer spülen.

Kraniche ziehen
wohlgeordnete Bahnen
den Himmel hinab.
Sie fliehen vor‘m Verhungern
und den eisigen Winden.

Ihnen entgegen
kommen menschliche Träume
von Frieden und Brot,
die wir dort am Horizont
den Wellen überlassen.

Haruhiko Ichinomura
Nachbeben - 余震

Prolog
 
 
お前を何と呼ばうか
 
Wie rufe ich Dich
Juli 2014
 
 
 
空間は裂けて雪が微笑む
くうかんはさけてゆきがほほえむ
揺れて歪んだ空
ゆれてゆがんだそら
こんな静かな夜を私は知らない
こんなしずかなよるをわたしはしらない
お前の笑ひ声を見る
おまえのわらいごえをみる
聞こえない声で笑ひころげるお前の笑ひ
きこえないこえでわらいころげるおまえのわらい
 
 
さつきまで時計は動いていた
さっきまでとけいはうごいていた
壱メートル飛んで砕ける前は
いちめーとるとんでくだけるまえは
さつきまで電話は通じていた
さっきまででんわはつうじていた
弐百秒揺れて海が溢れる前は
200びょうゆれてうみがあふれるまえは
もうここには誰も居ない
もうここにはだれもいない
 
さう言へば海は美しかつた
そういえばうみはうつくしかった
子供たちが流される前は
こどもたちがながされるまえは
さう言へば山も美しかつた
そういえばやまもうつくしかった
放射能が檻を破る前は
ほうしゃのうがおりをやぶるまえは
こんな醜いお前を私は知らない
こんなみにくいおまえをわたしはしらない
 
あの時からお前は変はつてしまつた
あのときからおまえはかわってしまった
鏡の真実さへお前には届かない
かがみのしんじつさえおまえにはとどかない
お前を何と呼ばうか
おまえをなんとよぼうか
創造は天使、破壊は悪魔
そうぞうはてんし、はかいはあくま
天使のやうな悪魔、悪魔のやうな天使
てんしのようなあくま、あくまのようなてんし
 
 
Der Raum spaltet sich und die Schneeflocken lächeln.
Der Himmel verzerrt sich vor dem Beben.
Wer kennt diese lautlose Nacht?
Ich sehe Deine Heiterkeit,
Deine Heiterkeit mit und ohne Töne.
 
Eben tickt noch die Uhr,
dann springt sie und zerbricht.
Eben ist das Telefon noch in Betrieb,
dann bebt das Meer und quillt über.
Jetzt ist Niemand mehr hier.
 
Das Meer war schön.
Jetzt raubt es die Kinder.
Auch der Berg war schön.
Nun ist er verstrahlt.
Ich erkenne Dich nicht wieder, so hässlich.
 
Seit damals hast Du Dich verändert.
Nicht einmal die Wahrheit des Spiegels fasst Dich mehr.
Wie soll ich dich nur rufen?
Die Schöpfung ist des Engels, die Zerstörung des Teufels.
Du Engel und Teufel zugleich, Teufel und Engel.
 
 
1. おほなゐに心こはされそれぞれに體の底に余震閉ぢ込む
おおないにこころこわされそれぞれにからだのそこによしんとじこむ
 
Tief im Körper verborgen
wohnt ein gebrochener Geist
verheert vom Erdbeben
darin eingeschlossen
unsichtbare Nachbeben.
 
 
2. 静かなり鴉少なしこの夕べ荒れたる浜に移り住むらむ
しずかなりからすすくなしこのゆうべあれたるはまにうつりすむらん
 
Ein friedlicher Abend
nur mit wenigen Krähen
ruhelos noch,
vielleicht müssen sie
an die raue Küste ziehen.
 
 
3. 手の甲に顔打ち当ててうづくまる何かと言問ふ勇はなきなり
てのこうにかおうちあててうずくまるなにかとこととうゆうはなきなり
 
Sein Gesicht
mit den Händen bedecken
und sich wegducken,
ich habe nicht den Mut zu fragen,
was ihnen passiert.
 
 
4. 一昔四つ重ねて同窓の朗らかメイル開くる戸惑ひ
ひとむかしよっつかさねてどうそうのほがらかメールあくるとまどい
 
Nach so langer Zeit
hat mich die Mail
eines Schulfreunds erreicht.
Mir vielleicht zu heiter
beim wartend auf Nachbeben.
 
 
5. ふくふくと山ふくらかにふかみどり柴犬は掘る退屈の穴
ふくふくとやまふくらかにふかみどりしばいぬはほるたいくつのあな
 
Der Frühling ist da
so grün Bäume und Berge
hinein gräbt und gräbt
ein braunes Shiba-Hundchen
ein Loch der Langenweile
 
 
6. 山肥えて深き緑の峠道けものの視線受くる涼しさ
やまこえてふかきみどりのとおげみちけもののしせんうくるすずしさ
 
Mittsommer am Pass.
Wandern durchs dunkle Grün
ist es kühl am Berg,
die Blicke wilder Tiere
tauchen mich in tief’re Kühle.
 
 
7. 流されし人、家、街はそのままに報道ばかり明るくなりぬ
ながされしひと、いえ、まちはそのままにほうどうばかりあかるくなりぬ
 
Die Leute, Häuser,
Städte so, wie nach
dem Tsunami,
nur die Nachrichten
werden positiver und heller.
 
 
8. 何もかも失ひし者のありがたう今になれども聞くのは辛し
なにもかもうしないしもののありがとういまになれどもきくのはつらし
 
Hat nichts mehr, doch er dankt...
Hart und sogar schmerzhaft,
das anzuhören:
Opfer des Erdbebens,
Opfer des Tsunami.
 
 
9. 晴れ渡る五月の野辺の憂鬱は無色透明セシウムのごと
はれわたるさつきののべのゆううつはむしょくとうめいセシウムのごと
 
Die Bedrücktheit
unter dem klaren Himmel
des Feldes im Mai
ist unsichtbar
ganz wie Cäsium
 
 
10. 山穢し沢も穢して木に宿り原木椎茸消してしまへり
やまけがしさわもけがしてきにやどりげんぼくしいたけけしてしまえり
 
Die Berge vergiftet,
verschmutzt auch Täler und Flüsse
kommt es in Bäumen unter,
löscht aus und vernichtet
die Shiitake-Pilze.
 
 
11. 夏至なれば窓開け放ち百合の香を招き入れたし原子炉忘れ
げしなればまどあけはなちゆりのかをまねきいれたしげんしろわすれ
 
Am Sommeranfang
die Fenster offen lassen.
Der weißen Lilien Duft
einladen, das könnte man
ohne die Reaktoren.
 
 
12. 考へる葦の葉繁る岸辺には食らふ者なき魚が棲みをり
かんがえるあしのはしげるきしべにはくらうものなきいおがすみおり
 
In den Untiefen
der denkenden Schilfrohre
wohnen die Fische
schweigsam und friedlich,
weil niemand sie essen kann.
 
 
13. 放射能少なき物を求むるは思ひやりなき事なのでせうか
ほうしゃのうすくなきものをもとむるはおもいやりなきことなのでしょうか
 
Obst aus dem Westen,
Fleisch aus Übersee.
Wäre es egoistisch,
nichts Verstrahltes
einzukaufen?
 
 
14. 深深と山背寄せ吹く冷たさは斃れし人を撫づる冷たさ
しんしんとやませよせふくつめたさはたおれしひとをなずるつめたさ
 
Ein Sommerwind
vom Ochotskischen Meer.
Nicht frisch, wie sonst,
sondern schauerlich kalt,
denn er streichelt die Toten.
 
 
15. 大いなる罪裁かれず古里に入るを咎むる法は整ふ
おおいなるつみさばかれずふるさとにいるをとがむるほうはととのう
 
Die große Schuld,
wird noch nicht gerichtet.
Strafbar aber wird
die Heimkehr ins Verstrahlte
durch neue Regelungen.
 
 
16. それぞれに不都合なるは巧妙に防護服着せ陳述したり
それぞれにふつごうなるはこうみょうにぼうごふくきせちんじゅつしたり
 
Jeder Verantwortliche
hat sich geschickt verteidigt,
als trüge er
Schutzkleidung
über seinem Pflichtversäumnis.
 
 
17. 鳴きて啼け泣きて泣け泣けほととぎす街蘇るとも死者忘れなそ
なきてなけなきてなけなけほととぎすまちよみがえるともししゃわすれなそ
 
Singe und weine,
von Unterwelt bis Oberwelt!
Du, Hototogisu,
über der neu errichteten Stadt,
vergiss die Toten nicht!
 
 
18. 夏草や牛舎の脇に積まれをる季節外れの乾草の束
なつくさやぎゅうしゃのわきにつまれおるきせつはずれのほしくさのたば
 
Man sieht keine Kuh
grünes Sommergras fressen,
doch am Stall
ein Stapel Heupacken,
Weidegras aus Übersee.
 
 
19. 原発に関りし人みな賢し自己防衛は完璧にせり
げんぱつにかかわりしひとみなさかしじこぼうえいはかんぺきにせり
 
Alle sind geschickt,
jeder verteidigt sich perfekt.
Atomkraftvorsteher,
ihr musstet die Atomreaktoren
perfekt verwalten.
 
 
20. 被災地の今を伝ふる報道はいつも明るく廃墟を廻る
ひさいちのいまをつたえるほうどうはいつもあかるくはいきょをめぐる
 
Die neuesten Nachrichten
aus dem Katastrophengebiet
kreisen hoch,
fröhlicher immer
über den Ruinen.
 
 
21. なほらざる原子炉看取る国離れ帰らぬ旅の人となりたし
なおらざるげんしろみとるくにはなれかえらぬたびのひととなりたし
 
O Vaterland,
das unheilbare Reaktoren
pflegen muss,
bitte, lass mich auf die letzte Reise,
fort von Dir und auch von mir.
 
 
22. 辛きこと辛しと言はむ悪きこと悪しと謗れ国に罪あり
つらきことつらしといわんわるきことわるしとそしれくににつみあり
 
Sage,
dass es schwer ist für Dich.
Rufe,
dass die Regierung böse ist.
Die Schuld trägt der Staat.
 
 
23. ゆふぐれてエアコン震へ思ひ出づなゐ来る時のなゐの足音
ゆうぐれてエアコンふるへおもいいづないくるときのないのあしおと
 
Abendstille,
gibst mir keinen Frieden,
denn
das leise Beben der Klimaanlage
erinnert mich an die Schritte des Erdbebens.
 
 
24. けふも夏窓を開けたり変はりなく放射能量高きまま夏
きょうもなつまどをあけたりかわりなくほうしゃのうりょうたかきままなつ
 
Der Sommer kehrt wieder.
Öffne ich das Fenster
wie jedes Jahr,
öffne ich es auch
der Strahlung.
 
 
25. 時差七時、ザルツブルグに中世の街すこやかに息づきてをり
じさななじ、ザルツブルグにちゅうせいのまちすこやかにいきづきており
 
Sieben Stunden Zeitunterschied!
Da liegt Salzburg, die Stadt
aus dem Mittelalter
friedlich atmend
die Ruhe der Erde.
 
 
26. トマセリにモーツワルトの影なくも在りしままなる馬車の音響く
トマセリにモーツワルトのかげなくもありしままなるばしゃのねひびく
 
Kein Schatten von ihm
ist zu sehen am Tomaselli.
Dort höre ich Kutschen,
deren beschwingten Klang
auch Mozart lauschte.
 
 
27. ハイドンもモーツワルトも住みし街カラヤンの像小さく立てり
ハイドンもモーツワルトもすみしまちカラヤンのぞうちいさくたてり
 
Am Rand des Flusses,
wo Mozart und auch Haydn
spazieren gingen,
dirigiert ein kleines Denkmal
Karajans Salzburg.
 
 
28. 茜さす城壁はるかザルザツハあすも暮れてよけふ見しままに
あかねさすじょうへきはるかザルザッハあすもくれてよきょうみしままに
 
Hoffentlich sehe
ich die Mauern, leuchtend
in der Abendsonne
hoch über der Salzach,
morgen noch wieder.
 
 
29. 住みなれし家売る秋は深まりて去年に変はらぬひよどりの声
すみなれしいえうるあきはふかまりてこぞにかわらぬひよどりのこえ
 
Oh, Herbst!
Bald schon ist er vergangen,
verkauft mein Heim.
Hiyodori, du allein
singst noch das Lied des letzten Jahres.
 
 
30. 別れ行く秋のテラスの鉢乾き雀つ子らの砂浴びの跡
わかれゆくあきのてらすのはちかわきすずめっこらのすなあびのあと
 
Der Herbst geht zu Ende.
vertrocknet stehen Blumen
auf der Terrasse.
In der Blumentopferde
die Spure sandbadender Spatzen.
 
 
31. 小春日の椿を愛づる我が首をぐるり改む大雀蜂
こはるびのつばきをめずるわがくびをぐるりあらたむオオスズメバチ
 
Unter der Sonne
sehe ich Kamelien.
Auch eine große Wespe
schwirrt um meinen Kopf,
teilt meine Freude.
 
 
32. 定年も間近き師走のカレンダーけふから日付を消すのは止むる
ていねんもまじかきしわすのカレンダーきょうからひづけをけすのはやむる
 
Mit dem Kalenderblatt im Dezember
das Ende einer alten Gewohnheit.
Ich denke mir Frühling,
den Frühling des Abschieds.
Ich streiche Daten nicht mehr aus.
 
 
33. 新しきマヤの暦の始まれる夜明けの空に木瓜はほころぶ
あたらしきマヤのこよみのはじまれるよあけのそらにぼけはほころぶ
 
Der ersten Morgen
im 14. Baktuns
des Mayakalenders:
eine Zierquitte lächelt,
weiter nichts bei mir.
 
 
34. 低気圧みるみる太り我が庭は雪爆弾で消えてしまへり
ていきあつみるみるふとりわがにわはゆきばくだんできえてしまえり
 
Näher und stärker
kommt Tiefdruckgebiet vom Meer.
Schon hat sich mein Garten,
durch Schneesturm,
mit Flocken völlig überzogen.
 
 
35. 等伯の猿を気取るや小枝の子猿こずゑ揺らして雪を振り掛く
とうはくのさるをきどるやこえだのこざるこずえゆらしてゆきをふりかく
 
Ein kleiner Affe
springt aus dem verschneiten Wald,
spielt sich auf,
als wäre er ein Affe
im Gemälde von Tohaku.
 
 
36. みちのくや芭蕉も去りて雪の里有明の月一つ残れリ
みちのくやばしょうもさりてゆきのさとありあけのつきひとつのこれり
 
Über dem alten
verschneiten Michinoku
durch das Basho reiste,
steht noch der Mond
am dämmrigen Himmel.
 
 
37. ななとせの長きに渡り使ひたるパソコン毀つ心を閉ぢて
ななとせのながきにわたりつかいたるパソコンこぼつこころをとじて
 
Meinen alten PC
sieben Jahre bei mir
im Büro.
Ich zerstöre ihn
als fühlte ich nichts.
 
 
38. 握手してさよならと言ひ別れして彼等は始む今日の事務処理
あくしゅしてさよならといいわかれしてかれらははじむきょうのじむしょり
 
Nacheinander
Händedruck und Adieu.
Nach dieser Zeremonie
beginnen sie auch heute
wieder ihre Arbeit
 
 
39. 春の海の潮引く磯のひじき藻を渡る風切り外房を駆く
はるのみのしおひくいそのひじきもをわたるかぜきりそとぼうをかく
 
Durch den Wind
an der felsigen Frühlingsküste
der Hijiki-Tang-Wiese,
fahren wir spazieren
an der Pazifikseite von Boso.
 
 
40. 海抜と避難場所の表示板探せど見えず我は他所者
かいばつとひなんばしょのひょうじばんさがせどみえずわれはよそもの
 
Ich suche
nach den Kennzeichen:
"Höhe" und "Katastrophensammelstelle",
bin aber nicht von hier
und kann sie nicht finden.
 
 
41. 妹の目にほほゑみもどる勝浦路車窓をよぎる照葉樹林
いものめにほほえみもどるかつうらじしゃそうをよぎるしょうようじゅりん
 
Katsu-ura vom Autofenster,
weit weg von der Küste
endlich wieder ein Lachen
in ihren Augen
im immergrünen Wald.
 
 
42. 海神の怒り隠して勝浦の磯辺の波の青の静かさ
わたつみのいかりかくしてかつうらのいそべのなみのあおのしずかさ
 
Unter blauen stillen Wellen!
des Katsu-ura-Strands
ein Zorniger Neptun.
Was verbirgt sich
unter dem Wasserspiegel?
 
 
43. 港にて不明になりし好好爺振り向きてをり壁のポスター
みなとにてふめいになりしこうこうやふりむきておりかべのポスター
 
Der Vermisste
vom Plakat an der Wand
dreht sich um.
Ein gutmütiger alter Mann,
den man zuletzt im Hafen gesehen.
 
 
44. 風薫る椰子の葉そよぎ丘の上の白亜の家に笛の音響く
かぜかおるやしのはそよぎおかのえのはくあのいえにふえのねひびく
 
Aus den Palmen
duftet der Wind nach Frühsommer,
und bewegt die Blätter.
Aus dem Haus auf der Höhe
tönt die alte Flöte.
 
 
45. 椰子の木の並木に沿ひて空追へば海霧にかすむ勝浦の海
やしのきのなみきにそいてそらおえばかいむにかすむかつうらのうみ
 
Der Himmel
über den Palmen in der Allee
verschwimmt im Nebel,
der über dem Meer hängt
von Katsu-ura.
 
 
46. 白日を支へて立てる椰子の木の木影は根方にうずくまりけり
はくじつをささえてたてるやしのきのこかげはねかたにうずくまりけり
 
Die Palme
hoch unter der Sonne:
Ihr Schatten
kauert sich hinter
die Wurzel.
 
 
47. 老人と犬の多かる町に住み職なき人の食卓思ほゆ
ろうじんといぬのおおかるまちにすみしょくなきひとのしょくたくおもほゆ
 
Meine neue Stadt:
viele Alte und Hunde.
Das lässt mich immer
traurig an die Esstische
von Arbeitslosen denken.
 
 
48. 野に立てば夏の名残の潮の香の寄せて野分を迎ふる尾花
のにたてばなつのなごりのしおのかのよせてのわきをむかうるおばな
 
Auf freiem Feld
der Abglanz des Sommers:
Duft des Meers
und Ähren der Pampagräser,
die auf den Taifun warten.
 
 
49. ゆふされば上弦の月浮き出でて百舌ら鳴くなり勝浦の野辺
ゆうさればじょうげんのつきうきいでてもずらなくなりかつうらののべ
 
Am Abendhimmel
steht der zunehmende Mond
in den Rufen der Mosu.
Hier stehe ich und lausche,
auf dem Feld von Katsu-ura.
 
 
50. 上総なる興津の沖の海原に真一文字に黒き潮見ゆ
かずさなるおきつのおきのうなばらにまいちもんじにくろきしおみゆ
 
Kazusa-Okitsu
alter Name, hier
betrachte ich Wellengang:
schnurgerade übers weite Meer
schwarze Strömung durch den Pazifik.
 
 
51. 老人も若者もゐて我もゐる辿り着きたる港の医院
ろうじんもわかものもいてわれもいるたどりつきたるみなとのいいん
 
Alte und Junge
und auch ich
bin noch dabei:
endlich haben wir es erreicht,
das Krankenhaus im Hafen.
 
 
52. この先は太平洋なり見晴るかす青き海原未来か過去か
このさきはたいへいようなりみはるかすあおきうなばらみらいかかこか
 
Von hier ab
dehnt sich der Pazifik aus:
ein weites blaues Meer.
Ist es meine Zukunft
oder Vergangenheit?
 
 
53. 波吠えてしぶき棚引く勝浦の磯辺に在りてみちのく思ほゆ
なみほえてしぶきたなびくかつうらのいそべにありてみちのくおもほゆ
 
Am Katsu-ura-Strand
brüllen und spritzen Wogen
dort denke ich an den Norden,
ans schöne Michinoku
ans reiche Fukushima.
 
 
54. 潮満ちて沈む荒磯の隠れ岩我が心にも一つ隠さむ
しおみちてしずむありそのかくれいわわがこころにもひとつかくさん
 
An der rauen Küste
verstecken sich Felsen
unter der Flut.
So möchte ich das Riff
in meinem Herzen verbergen.
 
 
55. 飛行士らふわふわ浮かぶ宇宙船ホームレスの死見えぬ幸せ
ひこうしらふわふわうかぶうちゅうせんホームレスのしみえぬしあわせ
 
In Raumschiffen schweben
Astronauten hoch über uns.
Ach, was für ein Glück!
Man kann keine Straße sehen,
keinen Tod von Obdachlosen.
 
 
56. 取り立てて成果なきままステイシヨン軍事技術の精華なんめり
とりたててせいかなきままステイションぐんじぎじゅつのせいかなんめり
 
Die Weltraumstation
trägt wenig bei
zu unserm Leben.
Sie ist sicher
eine Auslese der Wehrtechnik.
 
 
57. 舞ひ疲れひばり落ち行く草原の地平の果てはイカロスの墓
まいつかれひばりおちゆくそうげんのちへいのはてはイカロスのはか
 
Nach langem Gezwitscher
fällt eine Hibari
auf die Wiese.
Ans Ende ihres Horizontes
liegt das Grab von Ikaros.
 
 
58. 草原を気の向くままに掘り進むランダムといふもぐらの小路
くさはらをきのむくままにほりすすむランダムというもぐらのこみち
 
Er gräbt sich voran
ganz nach Belieben:
der Maulwurf
wählt unter der Wiese
den Pfad des Zufalls.
 
 
59. ベゴニアの朱に誇れる繁みより滴くはえて蜂舞ひ上がる
ベゴニアのあけにほこれるしげみよりしずくくわえてはちまいあがる
 
Aus dem roten
Begonienbusch
schwingt sich
eine Wespe empor,
einen Wassertopfen im Mund
 
 
60. 水玉の小さき宇宙を含み下げ脚長蜂は風に乗りけり
みずたまのちいさきうちゅうをふくみさげあしながばちはかぜにのりけり
 
Eine langbeinige Wespe
flog mit dem Wind davon,
trug im Mund
den kleinen Kosmos
eines Wassertropfens
 
 
Epilog
 
鐘の夕べ
 
Glocken-Abend
März 2015
 
暮れ泥む古き街路の石畳
くれなずむふるきがいろのいしだたみ
人影淡く伸び行けば
ひとかげあわくのびゆけば
教会の鐘響き出づ
きょうかいのかねひびきいず
 
ペトロ教会、大聖堂
ペトロきょうかい、だいせいどう
つぎつぎ鐘は羽ばたきて
つぎつぎかねははばたきて
光に代わり人包む
ひかりにかわりひとつつむ
 
鐘の音流る石畳
かねのねながるいしだたみ
昔の人も暖かき
むかしのひともあたたかき
音に抱かれ寿がれ
おとにいだかれことほがれ
今日の一日を思ふめり
きょうのひとひをおもうめり
 
東の果ての島国の
ひがしのはてのしまぐにの
災ひ逃れし人もまた
わざわいのがれしひともまた
心に鐘を響かせて
こころにかねをひびかせて
命の明日を思ひけり
あすのいのちをおもいけり
 
Wenn die Schatten sich bleich verlängern
über dem Steinpflastern
der alten dämmrigen Gassen,
läuten dort und überall Glocken.
 
Sankt-Peter und der Dom
schlagen nacheinander die Glocken,
wärmen die Passanten
anstelle von Sonnenschein.
 
Wenn der Glockenschlag
über dem Steinpflaster verhallt ist,
werden sich auch die Alten ihres vollen Klangs
am heutigen Tag erinnern.
 
Wenn im Herzen die Glocken klingen,
findet auch ein Wanderer,
geflohen vor der Katastrophe im fernen Osten,
sein Leben des kommenden Tages.

Wettbewerbe, Termine und Veranstaltungen

Neue Redaktion für Einunddreißig
Ab März 2017 wird Valeria Barouch die Redaktion von Einunddreißig verstärken. Ich freue mich sehr, dass ich mit ihr eine erfahrene und engagierte Tanka-Autorin für die Mitarbeit gewinnen konnte. Die Erweiterung der Redaktion stellt sicher, dass das Magazin auch zukünftig ein breites Angebot an Themen und Beitägen auf dem gewohnt hohen Niveau anbieten kann.

Tanka Sunday 2017
Die Tanka Society of America veranstaltet am 17. September 2017 in Santa Fe, New Mexico eine Tanka-Konferenz. Unter den Rednern befinden sich auch die international bekannten Tanka-Autorinnen Amelia Fielden, Mariko Kitakubo und Kozue Uzawa. Die Teilnahme ist kostenlos. Alle Details zur Veranstaltung finden sich auf der Webseite der TSA.

nächste Ausgabe

Die nächste Ausgabe von Einunddreißig erscheint am 1. Mai 2017. Der Einsendeschluss ist der 31. März 2017. Für die Einsendung von Beiträgen bitte ich, die Teilnahmebedingungen zu beachten.

 
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