Ausgabe Mai 2015 - Einunddreißig

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Ausgabe Nr. 9 Mai 2015

Für die Mai-Ausgabe von Einunddreißig habe ich aus den Einsendungen eine Auswahl von 31 Tanka getroffen und zwei meiner eigenen Texte beigestellt. Ein Tanka, das mich besonders anspricht, habe ich hervorgehoben und kommentiert. Als Sonderbeiträge erscheinen die Tanka-Prosastücke "Hausverkauf", "Entfernungen", "Stadtkind" sowie das Tanka-Bild "Goethe", das Kyoka-Bild "Schuhe" und das Foto-Tanka "Vergebens".

Editorial

Endlich ist es so weit und der Mai steht vor der Tür! Um seinen Einstand gebührlich zu feiern hat er uns nicht nur ausschlagende Bäume mitgebracht, wie es in einem Volkslied heißt, sondern auch einen Feiertag. Der 1. Mai als "Tag der Arbeit" ist allen geläufig, aber für die meisten im Vergleich mit anderen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten oder dem Tag der Deutschen Einheit weniger emotional besetzt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die historischen Ereignisse, die den Hintergrund zu diesem Gedenktag bilden nicht einmal in Deutschland oder Europa liegen, sondern in den Streiks amerikanischer Arbeiter im Jahr 1886 für die Einführung des Achtstundentags. Außerdem hatte der 1. Mai hierzulande als Feiertag keinen einfachen Start. Zum ersten und vorerst auch einzigen Mal in Jahr 1919 in der Weimarer Republik ein Feiertag, wurde der 1. Mai erst ab dem Jahr 1933 von den Nationalsozialisten zum regelmäßigen gesetzlichen Feiertag erhoben und als "Nationaler Feiertag des deutschen Volkes" vereinnahmt. Und auch in der DDR und anderen Ländern des Ostblocks wurde er als "Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus" begangen und für staatlich angeordnete Demonstrationen und Umzüge genutzt.
Auch wenn diese Zeiten überwunden sind, stellt sich für viele Menschen in den westlichen Wohlstandsgesellschaften die Frage, ob ein solcher Tag der Arbeiterbewegung heute noch nötig ist. So sinkt das Interesse an den politischen Aspekten des 1. Mai beständig. Dabei fehlt es doch nicht an Bemühungen verschiedener Gruppen, die Erinnerung an den politischen Inhalt dieses Feiertags wach zu halten: Gewerkschaften laden zu Kundgebungen ein, eine linke Partei veranstaltet ein 1.-Mai-Picknick mit Unterhaltungsprogramm und Autonome nutzen diesen Tag, um ihrer Abneigung gegen Polizei und Staat auf die Straße zu bringen.
Dennoch sollte diese Gelegenheit einmal im Jahr genutzt werden, um über die Bedeutung von Arbeit in unserem eigenen Leben und der Gesellschaft nachzudenken. Wie immer auch die Arbeitswelt des einzelnen aussehen mag, die ausgeübte Beschäftigung bleibt oft mehr als eine bloße Erwerbstätigkeit. Auch unbezahlt, sei es im Ehrenamt oder privaten Bereich, werden erhebliche Arbeitsleistungen erbracht, die ihre Anerkennung verdient haben. Nicht zuletzt betrifft dies auch die hier erscheinenden Beiträge der Autoren als kulturelle Leistungen. Ist das Schreiben für die Mehrzahl auch nicht die hauptberufliche Tätigkeit, sondern eine Freizeitbeschäftigung, heißt dies nicht, dass sie weniger ernst zu nehmen wäre. Dazu lade ich Interessierten und Skeptiker ein, sich selbst bei Lesen der neunten Ausgabe von Einunddreißig zu überzeugen.

– Tony Böhle

Sonderbeiträge

Ein Tanka, das mich besonders anspricht

Im Tagebuch
lesend stolpere ich
durch dein Leben
atemlos beim letzten Satz
der ins Weiß endet
                 – Claudia Brefeld

Zweifellos üben Tagebücher eine ganz besondere Anziehung auf uns aus. Sind es nun die Aufzeichnungen der eigenen Eltern, oder des Partners, die uns nach deren Tod in die Hände fallen, die Gedanken der Kinder, über die besorgte Eltern zufällig beim Putzen stoßen oder die Veröffentlichungen bekannter oder unbekannter Dritter, die sich mittlerweile in jeder gut sortierten Buchhandlung finden. Allen ist wohl das eine gemein, dass sie uns erlauben in die Gedanken und Gefühlswelt einer anderen Person einzutauchen und das über Epochen, Kulturen, soziale Stände und Geschlechter hinweg. Ob man ein Tagebuch, besonders wenn es einer eng vertrauten Person gehört, wirklich lesen möchte, ist nicht nur eine Frage des Gewissens sondern auch der persönlichen Veranlagung, denn klar ist, den Seiten sind Gedanken anvertraut, die man dem anderen gegenüber nicht in dieser Form oder gar nicht äußern würde – aus guten Grund. Haben wir sie einmal gelesen, gibt es kleinen Schritt mehr zurück und wir müssen mit unserem Wissen leben.
Wie das Lyrischen Ich hier in den Besitz eines solchen Tagebuches gelangt ist bleibt im Dunklen, genauso wie die Frage, um wessen Tagebuch es sich handelt. Allein die Anredeformel "dein" lässt hier den Schluss zu, dass es sich um eine nahestehende Person handeln muss. Beim Lesen scheinen einige Geheimnisse ans Licht zu kommen, die dem Lyrischen Ich Steine in den Weg legen und es ins Stolpern bringen. Gleichzeitig lässt dieses Stolpern die Formulierung "dein Leben" in einem neuen Aspekt erscheinen, da es zwar eine persönliche Nähe andeutet, aber gleichzeitig den Eindruck einer unbekannten Seite nahelegt, die das Lyrische Ich nicht erahnt hat. Die offensichtliche Reaktion auf diese Erkenntnisse ist allerdings kein schockiertes Innehalten oder Beiseitelegen des Tagebuches sondern das hastige Weiterlesen das "atemlos beim letzten Satz" endet. Raffiniert gestaltet ist dabei das letzte Segment des Tanka, das verschiedene Lesarten zulässt. Das Enden ins Weiß suggeriert einerseits das Abbrechen der Aufzeichnungen, gleichsam der blauen Tinte, die ins leere Weiß der nicht mehr ausgefüllten Seiten endet. Gleichzeitig lässt das Enden ins Weiß auch die Deutung als Enden ins ich weiß offen. Ein Tanka, das seine Stärke besonders aus dem Ungesagten zieht.

Tanka-Auswahl Mai 2015

Dem lauten Regen
dreh‘ ich den Rücken zu
und rede mir ein
Balkontisch und Dach sind
Instrumente des Himmels

                 – Valeria Barouch

Ein Shintô-Priester
segnet das Haus des Nachbarn
zum Frühlingsanfang.
Mir scheint "C+B+M"
fast den halben Erdball weg.

                 – Horst Ludwig

Klavierkonzert...
die Finger des Pianisten
legen das Flammenmeer
Rachmaninows
auf die Tastatur

                 – Christa Beau

Wie ein alter Mann
am Parkteich seinen Karpfen
altes Brot zuwirft...
Bevor er dann weitergeht,
nickt er auch mir etwas zu.

                 – Horst Ludwig

auch sie sind ihrem
alten Leben entwachsen
und so topf‘ ich
meine Orchideen um
so behutsam ich nur kann

                 – Tony Böhle

Am Steig zur Kirche
die Gedächtniskapelle,
so viele Namen, ...
ein Strauß frische Feldblumen
bei ein paar aus dem Laden.

                 – Horst Ludwig

Musik von unten
und das Paar von nebenan 
so stimm‘ ich ein in
den Rhythmus dieses Hauses
und trommle an die Wand

                 – Tony Böhle

in der Dunkelheit
mit den Schatten allein
sehe ich mein Haupt
voller Lebendigkeit
Schlangen der Medusa

                 – Silvia Kempen

die greisin gegenüber
singt ein kinderlied
mit brüchiger stimme 
in der sonne glänzt
ihr festtagskleid

                 – Gerald Böhnel

Fünf-Minuten-Rast.
Alle Bücher sind verpackt,
Regale zerlegt.
Tina denkt an den Ballast
beim letzten, großen Umzug...

                 – Conrad Miesen

Der alte Kutter
an Land gezogen –
wie Münzen
blitzen die Schuppen
der Fische

                 – Reiner Bonack

Eiskalt geschossen –
So manche Bogenpfeile
möchte man fangen,
bevor sie’s Ziel erreichen...
Die Zeit ist unerbittlich!

                 – Conrad Miesen

Die Kastanie – gefällt
Ich zähle die Jahre
zurück in die Kindheit
sehe
die rostigen Splitter im Holz

                 – Reiner Bonack

Die Wüstenväter
kauten sorgsam Gottes Wort
wieder und wieder...
Geduldig wie Kamele,
ganz gegenwärtig und still.

                 – Conrad Miesen

Scherben...
der Stein war in ein
Notenblatt gewickelt 
tageshell fügen sich

verlorene Fragmente

                 – Gerd Börner

Morgens
das faltige Gesicht
lächelt entgegen

Auch Katzen
werden grau 

                 – Andrea Naß

Im Tagebuch
lesend stolpere ich
durch dein Leben
atemlos beim letzten Satz
der ins Weiß endet
                 – Claudia Brefeld

Sitzender Maler
überträgt das Bergmassiv
auf seine Leinwand,
belächelt von Touristen
mit Digitalkameras.

                 – Wolfgang Rödig

das Spiel
ohne Sieger
auf der Eins
die Stadt meiner Freundin
nach dem Flugzeugabsturz
                 – Ralf Bröker

Schlaflose Mainacht.
Es scheint noch Licht zu brennen
auf der Terrasse.
Verabredung mit dem Mond.
Neue Art der Zweisamkeit.

                 – Wolfgang Rödig

der Index
meiner Liebe
zu dir
vielleicht fahre ich
einen Zug später

                 – Ralf Bröker

Klarer Morgen
Schneewehe ankert am Dach
Bug nach Osten
Unser Segel  in den Atem gedreht
Fahrt voraus ins Licht

                 – Angelica Seithe

dem Surren
der Neutronen
dieser Welt
folgt die Stille
der Gefühle

                 – Ralf Bröker

Da war
im Traum eine Pflanze
mit blau violetten Blüten.
Ich erkannte dich
an ihrer Zartheit

                 – Angelica Seithe

Ohne ein Wort
den Weg zur alten Tanne
schlägt die Alte ein,
die wohl etwas vom Leben
und wohl mehr vom Schnee versteht.

                 – Beate Conrad

Heller Tag
mit Resten von Schnee
Gegen die Sonne
ein Weg mit Silber ausgelegt
Er geht bergauf

                 – Angelica Seithe

Kirschblütenblätter
jene Atlantikwellen
etwas windverweht
ein Gesang in tiefer Nacht,
wo die Fahrt zuendegeht.

                 – Beate Conrad

lange Winternacht     Schatten der Zeit
morgens im Spiegel
das Spektrum des Lichts
ich sammle meine Gedanken
und käme mein Regenbogenhaar

                 – Dietmar Tauchner

sie ziehen
von Ort zu Ort
und lassen
nur Wildnis zurück...
Mietnomaden

                 – Frank Dietrich

auf einer Wiese
wo ich als Kind gern spielte
grünt mild der Himmel
für Augenblicke weiß ich
wer ich bin im Abendwind

                 – Dietmar Tauchner

ein schlüpf-
riger aal entwischt mir
von traum zu traum...
und ich? obwohl ich mich ekle
jag’ ich ihm weiter nach

                 – Frank Dietrich

Multiversum
auf einem blauen Planet
herrschen Glaubenskriege
weil seltsame Kreaturen
Götter erfanden

                 – Dietmar Tauchner

ich weiß
dass du mich betrogen hast
aber ich weiß auch
dass es dir leidtut
dass ich das weiß

                 – Frank Dietrich

 

Entfernungen

Ich bedenke immer wieder mit Staunen, wie deutsch "reisen" und englisch "rise" eigentlich dasselbe Wort sind. Der deutsche Ausdruck "Reisen bildet" stellt sich bei solchen Gedanken ein, und auch das amerikanische "Rise and shine", der Ruf, mit dem der Vater seine Kinder weckt, damit sie den Schulbus nicht verpassen, kommt mir mit der tieferen Bedeutung von "rise", "sich erheben", in den Sinn, und Hegels Dialektik natürlich auch, wo so einiges "aufgehoben" wird und dann eben auf seine Art gut aufgehoben ist. Wo ich wohne, sind die Entfernungen groß, und selbst kleinste Besorgungen kann ich nur nach einer Viertelstunde Autofahrt auf offener Landstraße erledigen. Zu mancher wichtigen Zusammenkunft bin ich sogar erstmal bis zu acht Stunden unterwegs, denn Fliegen mit Anfahrt, Parken, Einchecken usw., usw. würde mir zwar sicher eine Stunde sparen, aber sinnlos aufregend wäre das Ganze auch, und das Auto am andern Ort gleich zur Verfügung zu haben, ist mir offenbar auch was wert. Natürlich muß ich bei der langen Fahrt mehr aufpassen; doch meine ich, ich erlebe auch mehr.

    Mozarts Geburtstag.
    Welch Klängefreude, – Dämmer,
    Glatteisansage.
    Salzburg, im "Eulenspiegel"
    verführt beim Filet-Fondue

– Horst Ludwig

Hausverkauf

Nach dem Tod meines Vaters war meine Mutter zu uns gezogen.
Für das alte Haus in der Dierdorfer Straße hatten wir überraschend schnell einen Käufer gefunden.

Beim Räumen und Sichten von verstaubten Koffern und Kisten auf dem Dachboden fiel mir plötzlich ein Schuhkarton in die Hände, gefüllt mit einem Sammelsurium von Fotos. Der schnelle Vogel Zeit-vorbei ließ sich für ein paar Minuten auf mir nieder. Vieles war mir fremd und rätselhaft, einiges aber auch vertraut.

    Ein Balkonzimmer
    im Haus der Eltern lange
    vor meiner Geburt!
    Das Bild, unscharf und schwarz-weiß,
    hat mir den Star gestochen.

Mit jedem Menschen, so sagt man, entsteht eine neue, geheime, persönliche Welt. – Dieses Balkonzimmer im ersten Stock meines Elternhauses auf einem Foto Jahre vor meiner Geburt mit dem Vater und den Großeltern an einem Sommerabend war mir nahezu unerträglich.

In jenem puren Nichts, dem Abgrund vor meiner Existenz, hätte es verschwunden sein müssen, anstatt Beharrlichkeit vorzutäuschen.
Rasch legte ich die gesamten Fotos in den Karton zurück und stieg die Leiter vom Dachboden hinab. Draußen standen schon Helfer bereit –
und mehrere Müllcontainer.

– Conrad Miesen

Stadtkind

Da sitzt sie, inmitten goldgelber Küken. Die haben so gar keine Scheu. Klettern ihr auf die Beine, und picken ihr das Futter aus der Hand.
Aber ihr Gesicht, dieses Strahlen, ihr lachender Mund, die leuchtenden Augen...

    Wolkenlos
    dieses Osterfest
    auf dem Land
    voller Glückseligkeit
    Wiederkehr versprochen

– Silvia Kempen

Zuschrift - Gedanken zu einem Tanka von Conrad Miesen

In der Nummer 4 von Einunddreißig finden wir ein bemerkenswertes Tanka von Conrad Miesen:

    Die Gartenstühle
    übereinander gestellt.
    Nebel kriecht heran...
    Im Rasenschach konserviert
    eine finale Stellung.

Es ist, wie alle seine Tanka, in klassischer Silbenform gehalten, der Form, die der Autor auch in seinen Haiku einhält und die ja solchen Texten eine gewisse Ruhe entstrahlen läßt, einfach weil sie, was sie darstellen, in einer wohlverstandenen Form, gewissenmaßen mit einer vertrauten Formalität vorbringen.
Die ersten drei Segmente sind wie ein Haiku, ebenfalls in dessen vertrauter Gestaltung: Wir bekommen etwas von draußen, aus der freien Natur, soweit wir sie in die Nähe unserer Wohnstatt bringen können; wer hätte nicht gern sein Stück Rasen, wo man sich und ein paar Gäste in Gartenstühlen in die Sonne setzt, um deren Wärme gelassen und erholsam zu genießen! Allerdings ist hier die Zeit nicht mehr die der warmen Sonne, im Gegenteil, die Gartenstühle sind schon gestapelt und laden nicht mehr zum Hinsetzen ein, kalter Abendnebel kriecht heran, die Saison ist zu Ende, es ist Spätherbst, nicht mal der des Altweibersommers, und sicher nicht der der ersten Strophe von Hölderlins "Hälfte des Lebens", sondern eher der von dessen zweiter, - aber dann wieder bei weitem nicht so dramatisch. Hier haben wir mehr ein Herbstende, das in der Öffentlichkeit ordentlich seinen Lauf nimmt: Die Gartenstühle sind fertig zum Verstau für den Winter, und am nächsten Tag werden sie weggeschafft.
Jetzt war erstmal Feierabend, es ist kühl und neblig, und Überstunden sind nicht nötig, um alles noch schnell zu erledigen; nichts eilt. Am nächsten Tag werden dann auch die Schachfiguren eingeholt, die da laut dem zweiten Teil noch im Park oder am Rande des Biergartens auf ihrem übergroßen Schachfeld herumstehen. Aber noch stehen sie ihrer Funktion gemäß da, und zwar in einer Endspielposition, das bemerkt der späte Spaziergänger: matt oder Verlust der Dame in zwei, drei Zügen, auf jeden Fall, daß da keine weitere Entwicklung mehr stattfindet. Sein Auftreten und sein Blick auf die Schachfiguren erweitern das Haiku zu der Art Tanka, die in dessen historischer Entwicklung ja mal zum Tan-Renga führte (zum Tanka von zwei Autoren): wir haben eine deutliche Zäsur zwischen den Segmenten a, b, c einmal und d und e zum zweiten, und der zweite Teil jetzt bringt nicht nur Gesehenes, sondern auch Gedankliches, Verstandenes dazu. Auch in diesem letzten Spiel der Saison ist das Spiel zu Ende; so wie die Figuren da stehen, ist es aus. Ironie jedoch: Diese Schlußstellung ist "konserviert", steht fest für jeden, der was davon versteht und der's nachprüfen wollte. Aber trotzdem: Am nächsten Arbeitstag werden auch diese Figuren abgeholt, um in einem Geräteschuppen eng aneinander gestellt oder einfach zusammengeworfen aufgehoben zu werden, und nichts von ihrer sinnvollen Beziehung zueinander am Tage davor wird mehr vorhanden sein.
Eine Menge Spätherbst  und mehr  findet hier also in ganz einfacher Sprache Ausdruck. Aber auch diese Sprache ist bemerkenswert. Der über den ganzen Text verteilte "st"-Stabreim, der "k"-Stabreim in beiden Teilen, die betonten "-an-" in b und c, die unbetonten "-le" am Anfang und Ende, das so unauffällige, aber großartig Lautmalerische von "übereinander", - auch derart Klangliches tut das seine, ein klassisches Tanka zu schaffen, wo alles beachtlich zusammenwirkt.

– Horst Ludwig

nächste Ausgabe

Die nächste Ausgabe von Einunddreißig erscheint am 01. August 2015. Der Einsendeschluss ist der 01. Juli 2015.

 
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